Digitale Souveränität: Open Source Pitch
von HS Harz
Am 22. Juni 2026 fand in der Aula der Berufsbildenden Schulen „Otto von Guericke“ in Magdeburg die Veranstaltung „Digitale Souveränität: Open Source Pitch – GI PAK Souveränität im Gespräch mit Open Source Praxisbeispielen“ statt. Im Zentrum des Abends stand die Preisverleihung des KOMPASS-Wettbewerbs Sachsen-Anhalt 2025/2026 der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Die Preise wurden im Beisein der Schirmherrin, Dr. Lydia Hüskens, Ministerin für Infrastruktur und Digitales des Landes Sachsen-Anhalt, verliehen.
Der KOMPASS-Wettbewerb macht sichtbar, wie vielfältig Open Source, Open Data und digitale Selbstbestimmung in Sachsen-Anhalt bereits praktisch gelebt werden. Ausgezeichnet wurden Beiträge aus den Bereichen „Open Source und Open Data zur Stärkung der digitalen Souveränität“, „Digitale Selbstverteidigung“ sowie „Datendetektive zum Aufspüren und zur Transparenz von digitalem Tracking“. Die Einreichungen kamen unter anderem aus Kommunen, Bildungseinrichtungen, Vereinen sowie von Einzelpersonen.
Besonders deutlich wurde an diesem Abend, dass Open Source weit mehr bedeutet als die reine Entwicklung frei verfügbarer Software. Vielmehr geht es auch um die bewusste Auswahl, Nutzung, Anpassung und Vermittlung offener Technologien – etwa in Schulen, Verwaltungen, Vereinen oder in der kulturellen Bildung. Die prämierten Beiträge zeigten eindrucksvoll, wie Open-Source-Anwendungen digitale Souveränität konkret unterstützen können: von souveränen Schulserverlösungen über offene Mediatheken und kollaborative Bildungsplattformen bis hin zu datenschutzfreundlichen Suchlösungen im Vereinsumfeld.
Auch kreative und niedrigschwellige Zugänge zu Open Source waren Teil des Programms. So wurden unter anderem musikalische und visuelle Praxisbeispiele vorgestellt, bei denen Open-Source-Werkzeuge zur Visualisierung von Tönen, Klängen und Musik eingesetzt wurden. Ein weiterer Beitrag widmete sich spielerisch dem Erlernen von Musiktheorie und Akkorden mithilfe einer Open-Source-Game-Engine. Diese Beispiele machten deutlich, dass digitale Souveränität nicht nur ein technisches oder administratives Thema ist, sondern auch in Bildung, Kultur und Alltag erfahrbar werden kann.
Im Anschluss an die Preisverleihung bot der Ausstellungsbereich Gelegenheit zum Austausch mit den Teilnehmenden, Preisträgerinnen und Preisträgern sowie weiteren Projekten. Hier war auch der CyberSecurity Verbund Sachsen-Anhalt II mit allen drei Verbundpartnern vertreten: der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Hochschule Harz.
Der CyberSecurity Verbund Sachsen-Anhalt II verfolgt das Ziel, digitale Souveränität und IT-Sicherheit insbesondere für Bedarfsträger mit begrenzten IT-Ressourcen zu stärken. Dabei stehen praxisnahe, nachvollziehbare und möglichst offen verfügbare Lösungen im Mittelpunkt. Die drei Teilprojekte gaben in Magdeburg Einblicke in ihre jeweiligen Forschungsschwerpunkte und stellten konkrete Demonstratoren vor.
Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, vertreten durch das Advanced Multimedia and Security Lab, zeigte Ansätze aus dem Teilprojekt „Prävention, Detektion und Reaktion mit Open Source-Perspektiven“. Im Fokus standen praxistaugliche Open-Source-Maßnahmen zur Verbesserung von IT-Sicherheit und digitaler Souveränität. Vorgestellt wurde unter anderem der Einsatz der Open-Source-Office- und Kollaborationssuite OpenDesk.
Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg präsentierte ein aus Open-Source-Komponenten aufgebautes Intrusion Detection System sowie ein zugehöriges Security Dashboard. Im Gespräch mit den Besucherinnen und Besuchern ging es dabei insbesondere um die Frage, wie Netzwerkverkehre überwacht, Auffälligkeiten erkannt und Sicherheitsvorfälle frühzeitig identifiziert werden können. Auch der Einsatz Künstlicher Intelligenz zur Anomalieerkennung war Teil des Austauschs.
Die Hochschule Harz demonstrierte einen Ansatz zur Ausstellung von Lernnachweisen für die EUDI-Wallet. Dabei wurde gezeigt, wie digitale Nachweise künftig nutzerfreundlich, sicher und souverän verwaltet werden könnten. Der Demonstrator verdeutlichte, welche Rolle vertrauenswürdige digitale Identitäten und Nachweise in Bildungs- und Anwendungskontexten spielen können.
Der Abend machte deutlich, wie wichtig der Austausch zwischen Forschung, Bildung, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Praxis ist. Die Beiträge des KOMPASS-Wettbewerbs zeigten auf anschauliche Weise, dass digitale Souveränität nicht abstrakt bleiben muss, sondern durch konkrete Anwendungen, verständliche Vermittlung und offene Technologien greifbar wird.
Für den CyberSecurity Verbund Sachsen-Anhalt II bot die Veranstaltung eine wertvolle Gelegenheit, die eigenen Forschungsarbeiten in einen breiteren gesellschaftlichen Kontext einzuordnen und mit engagierten Akteurinnen und Akteuren aus Sachsen-Anhalt ins Gespräch zu kommen. Die Vielfalt der gezeigten Projekte unterstrich zugleich, wie groß das Potenzial von Open Source für mehr Transparenz, Nachvollziehbarkeit, Sicherheit und Selbstbestimmung im digitalen Raum ist.